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 Anja und der Rabe

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Hungry64
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BeitragThema: Anja und der Rabe   Fr Apr 19, 2013 12:40 am

"Kann er nicht!" sagte Sonja unter dem schallenden Gelächter der anderen Kinder. Anja war den Tränen nahe, sie selbst hatte doch den Raben der alten Frau sprechen gehört. Er sprach mit tiefer, rauer Stimme, die ihr ein Gefühl von glühenden Kohlen im Bauch vermittelte. Und jetzt krächzte er wie jeder x-beliebige Vogel herum.
Anja hatte der alten Frau bis vor kurzem im Haushalt geholfen, mit ihr Pilze gesammelt und viel von ihr über die Tiere und Pflanzen des Tals gelernt. Die Kinder im Dorf hatten Angst vor der Alten und schimpften sie eine Hexe. Diese Angst war es auch, die Anja vor dem Spott der anderen Kinder des Dorfes beschützte. Vor 3 Tagen aber hatte Anja die alte Frau mit einem seligen Lächeln im Gesicht auf ihrem Schaukelstuhl vor ihrer Hütte sitzen sehen. Sie wirkte friedlicher als sonst und irgendwie… glücklich. Als Anja vorsichtig ihre Hand nahm um sie zu wecken, flog der Rabe vom Himmel auf den kleinen Tisch neben ihr und sprach “Sie ist tot mein Kind, mach dir aber keine Sorgen deshalb.“
Anja stockte der Atem und sie merkte erst vor dem Haus ihrer Tante, dass sie weggerannt war. Anjas Tante hatte sie aufgenommen, nachdem ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben war. Trotzdem fühlte sich Anja dort nie richtig willkommen. Ihr war als würden ihre Pflegeeltern Angst vor ihr haben. Besonders seit dem Tod der alten Frau und ihrer Bestattung, ein paar Männer hatten sie trotz Anjas Protest nicht auf dem Friedhof, sondern hinter ihrer Hütte verscharrt, mieden sie sie merklich. Eigentlich schien jeder im Dorf Angst vor Anja zu haben. Um sich bei den anderen Kindern beliebt zu machen ließ sie sich vor einigen Jahren zu einer Mutprobe hinreißen. Sie sollte sich in die Hütte der alten Frau schleichen und ihren Hexenbesen stibitzen. Sie hatte den Besen schon in der Hand, als sie hinter sich die alte Frau sprechen hörte. “Wie lieb von dir, dass du hier fegen willst… Anja.“ Anja erschrak wie nie zuvor in ihrem Leben. Aber irgendetwas an der Art wie die Alte sprach machte ihr Mut. Ihre Stimme enthielt keine Angst, keinen… Hass. Anja hatte das Gefühl, dass diese gütige, alte Frau im Leben mindestens genauso sehr unter der Ablehnung anderer gelitten haben musste wie sie selbst. Der schwarze Rabe saß damals auf ihrer Schulter und beäugte Anja mit geschultem Blick. Anja nickte und begann zu kehren und der Rabe nickte zufrieden. Die Alte lachte herzlich und sagte “Ich mache uns erstmal einen Tee.“
Seit diesem Ereignis verbrachte Anja fast jede freie Minute bei der Alten und ging nur noch zum Schlafen zu ihrer Tante zurück. Sie lernte viel über die Tiere des Waldes und kannte bald mehr Pflanzen als sie je für möglich gehalten hätte.

“Es wird Zeit.“ Die glühende Stimme des Raben holte Anja aus ihren Gedanken in die Wirklichkeit zurück. Sie blickte ihn verständnislos an. Dann bemerkte sie das Fehlen der anderen Kinder. “Warum hast du denn nichts gesagt, als die anderen hier waren?“ wollte sie in verärgertem Tonfall wissen. Der Rabe krächze und erhob sich in die Luft. “Komm jetzt, es wird Zeit.“ Anja erstarrte, lief ihm aber hinterher und erreichte die Hütte der alten Frau kurz nach ihm. Als sie zögernd eintrat sah sie Melinda, die Frau vom Bürgermeister, durch die Sachen der Alten wühlen. Anja packte der Zorn, doch sie beherrschte sich und fragte “Kann man dir helfen Melinda?“ Die zierliche Frau erstarrte und drehte sich schließlich zu Anja um. Ihr Gesicht war kreidebleich. Als sie das Kind vor sich erkannte und sich der Rabe auf Anjas Schulter niederließ, sprach sie mit zitternder Stimme. “Die Hexe… die Tote…. die gute Frau hier… die hier gelebt hat… also die hat mir was gemacht und… es tut mir leid…“ Der Rabe krächzte und senkte den Kopf. “Sie sucht sicher Blutwurz für ihren Mann. Du hast doch letzte Woche welchen gesammelt oder? Der sollte inzwischen getrocknet sein.“ Wortlos ging Anja zur Kräuterküche, wo sie ein Bündel Blutwurz abnahm und es Melinda überreichte. Melinda nahm das Bündel zögernd an, murmelte ein “Danke“ und rannte davon.
Es erschien Anja nur richtig, dass sie fortan das Werk der alten Frau fortfuhr und sie prüfte sorgsam die Bestände an Kräutern und Heilpflanzen. Der Rabe half ihr wo er konnte und sie freundeten sich an. Die Leute aus dem Dorf kamen immer wieder zu ihr und wollten Linderung für die verschiedensten Leiden. Der Rabe sprach nie im Beisein anderer, begutachtete aber Anjas Taten stets mit Interesse.
So verstrichen die Jahre und die Zeit prägte Anjas Erscheinung. Mit der Zeit kamen ihr die anderen Dorfbewohner immer jünger vor. Da es immer viel zu tun gab, machte sich Anja nie besonders viele Sorgen um ihre Zukunft, sondern kümmerte sich um die Beschwerden der Dorfbewohner und ihre Bestände an Heilpflanzen und -kräutern.

Nach vielen Jahren trat eine junge Frau in ihre Hütte ein. Anja hatte sie nie zuvor gesehen, doch kam sie ihr seltsam vertraut vor. Die Frau wünschte sich seit Jahren ein Kind, aber es hatte nicht sein sollen. Anja überlegte gerade welche Pflanzen hilfreich sein könnten, da sprach der Rabe. “Gib ihr Nirnwurz und Waldhonig.“ Die Frau erbleichte und Anja stockte der Atem. Noch nie hatte der Rabe im Beisein anderer auch nur ein Wort gesprochen. Einmal hatte er gekrächzt, als die Tochter eines Dorfbewohners Habichtkraut stibitzen wollte. Anja hatte ihr damals erklärt, dass das giftig sei und sie hier besser nichts ohne ihre Erlaubnis essen solle. Das war auch das einzige Mal, das einer der Dorfbewohner ein Kind mitgebracht hatte. Anja zerstieß einige Blätter Nirnwurz mit dem Stößel und mischte den Brei mit Waldhonig. Den Sirup füllte die in ein Fläschchen ab und wollte es der jungen Frau geben. Da bemerkte sie, dass diese sich mit dem Raben unterhielt. Anja verstand nicht viel von dem Gesagten, da sie im hinteren Ende der Küche stand. Auf ihrem Weg hörte sie Worte wie “Vertrag“, “Kind“ und “Geburt“. Als sie die beiden schließlich erreichte, verstummten diese und die junge Frau lächelte dankbar als Anja ihr das Fläschchen übergab.
Nachdem die junge Frau gegangen war weigerte sich der Rabe standhaft sein ungewöhnliches Verhalten zu erklären. “Die Zeit wird dir erklären, was mir nicht erlaubt ist.“ hatte er gesagt und sie gab sich schließlich geschlagen. Der Alltag hielt wieder Einzug in Anjas Welt und bald schon vergaß sie den Vorfall mit der jungen Dame. Der Rabe sprach auch nicht mehr mit den Dorfbewohnern und die Jahre zogen ins Land.
Nach einigen Jahren, Anja kam gerade von ihrer abendlichen Sammelung zurück, fand sie die Tür zu ihrer Hütte offen vor. Sie betrat leise die Hütte und der Rabe lies sich auf ihrer Schulter nieder. “Der Zyklus beginnt von neuem.“ flüsterte er ihr ins Ohr. Da sah sie ein kleines Mädchen, das sich gerade den Besen aus der Ecke des Raumes genommen hatte.
Anja sprach “Wie lieb von dir, dass du hier fegen willst… Anja.“. Das Mädchen erstarrte und drehte sich nach einiger Zeit zu ihr um. Schließlich nickte sie und begann zu fegen. Anja lachte herzlich und sagte “Ich mache uns erstmal einen Tee.“.
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Raptor
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BeitragThema: Re: Anja und der Rabe   Fr Apr 19, 2013 9:34 am

nette,gut geschriebene geschichte Cool ....hut ab
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Hungry64
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BeitragThema: Re: Anja und der Rabe   Fr Apr 19, 2013 2:07 pm

Vielen Dank dafür.
Ich wollte einfach mal sehen ob ich sowas draufhab und hab mal losgelegt ;-)
Der Sprung entstand einige Zeit später.
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KLOWN
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BeitragThema: Re: Anja und der Rabe   Fr Apr 19, 2013 11:13 pm

Sprach der Rabe nimmermehr clown

Habs mir auch durchgelesen Hungry... gut geschrieben, jetzt brauchste nur noch nen Bettvorleger!

Aber so nen bischen Gewalt und Feucht-Fröhlichkeit hätte der Sache mehr Würze gegeben... damit mein ich jetzt nicht das Sie den Raben küsst und der sich dann in nen Wolf verwandelt oder so nen Sci-Fi Krawall rendeer
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Gast
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BeitragThema: Re: Anja und der Rabe   Mo Apr 22, 2013 11:27 am

schöne geschichte, gut geschrieben...
danke, hungry.

ich vermute aber, dass unsere seelen eher an einem ort kommen wie ihn Peter Hamilton in "reality dysfunction" beschreibt.
vielleicht kenn es ja einer...

...the possessing entities are the souls of humans who have died and been trapped, some of them for millennia, in an absolute void where the only way to pass the time is to parasitically feed on the memories and experiences of others. And there are billions of them in the darkness still screaming for escape.
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